Gábor Boldoczki
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Johann Sebastian Bach
Violinkonzert a-Moll BWV 1041 *
1 Allegro moderato
2 Andante
3 Allegro assai

Johann Sebastian Bach
4 Badinerie aus der Suite h-Moll *

Antonio Vivaldi
Die vier Jahreszeiten - Frühling (Violinkonzert E-Dur) op. 8, Nr. 1, RV 269 *
5 Allegro
6 Largo
7 Allegro

Antonio Vivaldi
Violinkonzert a-Moll op. 3, Nr. 6, RV 256 *
8 Allegro
9 Largo
10 Presto

Antonio Vivaldi
Die vier Jahreszeiten - Winter op. 8, Nr. 4, RV 297 *
11 Largo

Georg Philipp Telemann
Sonate D-Dur für Trompete, Streicher und Basso continuo
12 Allegro
13 Grave
14 Allegro

Ludwig van Beethoven
15 Romanze in F-Dur Nr. 2, op. 50 *

Wolfgang Amadeus Mozart
16 Die Zauberflöte - Der Hölle Rache (Arie der Königin der Nacht) *


* Alle Stücke neu arrangiert für Trompete und Orchester


Gábor Boldoczki, trumpet
Franz Liszt Chamber Orchestra
János Rolla, conductor

Listening sample
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Fono Forum/August 2003:

Mehr als Gulasch

Geboren wurde er im ungarischen Szeged, das für sein Gulasch viel berühmter ist als für seine Musiker. Alles spricht dafür, dass sich das ändert. 1997 gewann der 27-jährige Trompeter erste Preise beim Maurice-André-Wettbewerb und beim ARD-Musikwettbewerb, was wiederum die Aufmerksamkeit von Justus Frantz weckte, der ihm gleich noch den "Prix Davidoff' oben drauf packte. Seitdem ist Gabor regelmäßig mit den international renommiertesten Orchester unterwegs.

Seine Debüt-CD mit "Greatest Hits of Classical Music" ist gewissermaßen ein Spiegel der populären Konzertprogramme. Allerdings fragt man sich, ob wir ein Trompeten-Arrangement von Mozarts Arie der Königin der Nacht aus der "Zauberflöte" wirklich nötig haben? Mit seinem schlanken und weichen Ton, der tadellosen Höhe und zurückhaltenden Tiefe und seiner souveränen Technik ist Gábor den bizarren Koloraturen zwar gewachsen, dennoch kommen diese Vorzüge in den beiden Vivaldi-Konzerten und dem Largo aus dem"Winter" der "Vier Jahreszeiten" weit besser zum Tragen. Eine angenehme Ruhe und Ausgeglichenheit prägt Bachs Violinkonzert a-Moll BWV 1041, das Gábor keineswegs nur auf die Politur der hohen Lage trimmt. Duftig artikulierend, nimmt er sich vielmehr zurück, um den dahinschwebenden Orchester- und Cembalo-Akzenten Raum zu eigener Entfaltung zu lassen. Sauber im Anstoß gelingt auch das halsbrecherische Allegro assai, in dem der originale Violinpart fast notengetreu beibehalten wird. Die kräftigen, markig-klar im Raum stehenden Töne, die Gábor besonders bei PhrasenschlÜssen aufblühen lässt, sind durchweg exzellent intoniert.

HelmutPeters

Interpretation *****
Klang ****

Gábor Boldoczki in RONDO

Der ungarische Trompeter Gabor Boldoczki gilt als aufstrebender Stern unter den Trompetern der jungen Generation. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete ihn bereits als "würdigen Nachfolger von Maurice Andre". Holger Erdmann traf sich mit ihm in Berlin.

Herr Boldoczki, hat Ihre Trompete einen eher männlichen oder eher weiblichen Klang?

Oh, das kann ich nicht sagen. Manchmal ist er vielleicht weiblich, manchmal männlich, aber auch sehr sensibel. Ich versuche immer verschiedene Klänge zu spielen und finde es auch sehr wichtig, dass man viele verschiedene Farben und Stimmungen erreicht.

Geben Sie uns ein Beispiel für einen ausgesprochen männlichen Klang.

Ausgesprochen männlich finde ich den Klang meistens im Orchester, weil die Trompete dort einen bestimmten Charakter hat, wobei der Trompeter bei zeitgenössischer Musik mehr Bedeutung bekommt und auch verschiedene Funktionen im Orchester hat. Aber früher war die Trompete doch meist in der Funktion einer Fanfare.

Wie sind Sie eigentlich bei der Trompete gelandet?

Mein Vater spielt Trompete. Jetzt unterrichtet er an der Musikgrundschule in Kiskörös, woher ich komme.

Wäre für Sie auch ein anderes Instrument in Frage gekommen?

Ich habe ein Jahr Klavier gespielt. Das war nicht schlecht, aber die Trompete war interessanter für mich, vielleicht auch weil mein Vater sie gespielt hat.

Wann haben Sie sich entschieden, als Solist zu arbeiten?

Ich habe im Lauf der Jahre an vielen Wettbewerben teilgenommen ...

... und viele gewonnen ...

Ja, das stimmt (lacht). Ich habe immer viel geübt, aber ich wusste nicht, wie mein Niveau einzuordnen ist. Nach den Wettbewerbserfolgen habe ich gedacht: wenn alles so schön läuft, dann ist es Zeit, mich als Solist auszuprobieren. Diese Entscheidung fiel 1997/98.

Wenn Sie diese fünf Jahre Revue passieren lassen, war diese Entscheidung richtig?

Ich glaube, es war gut. Es war eine gute Entscheidung.

Wie wählen Sie Ihr Repertoire aus?

Ich höre ständig Schallplatten und gehe oft in die Bibliothek. Manchmal kommt eine Idee von einem guten Freund, wie z.B. das Bach-Geigenkonzert in a-moll auf der ersten CD, die ich für Sony Classical eingespielt habe. Das hat mir der Tuba-Spieler Roland Szentpáli vorgeschlagen. Das ist ganz spontan passiert. Wir sind zusammen im Auto gefahren und haben über viele Themen gesprochen. Da kam diese wunderbare Idee. Meine Freundin spielt Geige. Dadurch habe ich einen engeren Kontakt zur Geigenliteratur. Außerdem gehe ich mit offenen Augen und Ohren durchs Leben (lacht).

Welche Rolle spielt technische Vollkommenheit und Virtuosität für Sie?

Technische Perfektion ist für mich die erste Stufe. Ich möchte immer besser werden, eine immer perfektere Technik haben und die Musik immer tiefer kennen lernen. Letzteres ist die wirklich große Aufgabe. Ich freue mich z.B., mir Adam Fischer in Budapest zu spielen. Ich bin sehr gespannt, wie das Haydn-Konzert sein wird, das ich schon oft gespielt habe, und was er da noch herausholen kann.

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen technischen Fähigkeiten und der emotionalen Annäherung an Musik?

Es ist natürlich ein Risiko, wenn man nur an die Gefühle denkt. Aber ich finde, ein kontrolliertes Risiko ist wichtig. Speziell im Konzert muss man etwas riskieren, denn dadurch wird es spannend. Vielleicht ist dann die Technik manchmal nicht so perfekt, aber das Erlebnis für das Publikum ist viel größer. Und das finde ich das Wichtigste. Wenn man eine perfekte Produktion hören möchte, sollte man die CD einlegen. Ein Konzert muss ein Live-Erlebnis sein - ein lebendiger Abend zum Hören und Sehen.

Kürzlich erschien Ihre erste CD "Der Glanz der Trompete". Welchen Einfluss hatten Sie auf die Auswahl des Repertoires?

Mit der ersten CD setzt man ein Zeichen, dadurch lernen die Leute einen Künstler kennen. Wir wollten ein breit gefächertes Programm an Stücken, die mit der Trompete noch nie aufgenommen wurden. Die schönsten Stücke der Trompetenliteratur wurden schon viel zu oft aufgenommen. Deshalb wollte ich beispielsweise interessante Geigenstücke auswählen oder auch die Arie der Königin der Nacht.

Ist es nicht etwas gefährlich, solche Stücke auszusuchen?

Doch, das ist schon gefährlich, weil diese Stücke sehr bekannt sind. Das kann ein Vorteil sein. Aber wenn es nicht gut gespielt wird, ist es ein Riesennachteil. Ich hoffe, dass man über diese CD sagt: "Oh, das klingt interessant." Für mich jedenfalls war es eine reizvolle Aufgabe, diese Stücke einzustudieren, weil es sehr ungewöhnlich ist, sie auf der Trompete zu spielen.

Es sind fast 200 Versionen - lieferbare - wohlgemerkt. Warum haben Sie die "Vier Jahreszeiten" aufgenommen?

Es war ursprünglich nicht meine Idee. Die Idee stammt von meinem Freund Winfried Roch. Er sagte: "Gabor, das ist interessantes Werk. Könntest Du das auf der Trompete spielen?" - Ich sagte: "Nein." Er erwiderte: "Versuch's mal." Also habe ich es versucht. Am Anfang hat es wenig Spaß gemacht. Aber nach einer Weile kam plötzlich der Gedanke: "Das kann ich schaffen." Eineinhalb Wochen vor der CD-Aufnahme war ich fertig und habe entschieden, dass ich es doch aufnehme.

Das Schwergewicht der CD liegt beim Barock Repertoire. Aber Sie haben auch ein Stück von Beethoven aufgenommen. Was reizt Sie an der Romanze in F-Dur?

Diese Romanze ist eine gefährliche Angelegenheit, weil es natürlich ein Geigenstück ist. Und es klingt wunderbar auf der Geige. Ich wollte einfach ein Stück mit großer Trompete aufnehmen, nicht nur mit Piccolo. Bei meinem Diplom-Konzert habe ich diese Beethoven F-Dur-Romanze auch gespielt. Es ist eine sehr interessante Aufgabe, einen so feinen und individuellen Ton hinzubekommen. Ich glaube, in musikalischer Hinsicht war die Romanze die schwerste Aufgabe für mich.

 
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